In aller Kürze

Göppinger Kultur-Nacht

Am 24. Juni 2017 findet zum achten Mal die Göppinger Kultur-Nacht statt, an der das MuSeele auch wieder teilnehmen wird. Das MuSeele freut sich auf Ihren Besuch und hat seine Pforten an diesem Abend von 19 bis 1 Uhr für Sie geöffnet. Tickets können Sie im Vorverkauf über unseren Museumsshop erwerben.

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Museum / Museum

Die Psychiatrie ist eine umstrittene Institution und für viele Menschen irgendwie unheimlich. Dazu trägt die sehr wechselhafte und zum Teil tragische Geschichte bei. Unser Anliegen ist es, möglichst viele Aspekte kritisch der Öffentlichkeit näher zu bringen. Hemmschwellen und Vorurteile wollen wir abbauen, ohne die auch heute noch bestehenden Probleme zu beschönigen. Bei der Darstellung sind uns vier Konzepte wichtig: Durch die sachgerechte Information kann sich der Besucher ein eigenes Urteil bilden. Eine provokative Form lädt ein zum Nachfragen, zum Nachdenken und zum Gespräch. Die Besucher können sich interaktiv auf die Themen und Exponate einlassen. Die Themen werden multimedial präsentiert, d.h. alle Sinne sind beteiligt und gefordert.

Psychiatry is a contested institution and for many people somehow eerie. Its extremely varied and partly tragic history contributes to this. It is our intention to critically introduce as many aspects as possible to the public. We want to reduce barriers and prejudices without putting a varnish over the problems that still exist today. Four concepts are important in our presentation. Factually accurate information will allow visitors to arrive at their own conclusions. Provocative presentations offer the chance to probe deeper, to reflect, and to start conversations. Visitors can engage interactively with different themes and exhibits. Multi-media presentations of topics mean that all senses are addressed and engaged.

Seele / Soul

.Auch für die Menschen unserer Zeit hat der Begriff "Seele" eine Bedeutung. Trotz Medizintechnik, trotz wissenschaftlichen Fortschritts bleibt das Gegenüber eine individuelle Person, um deren Verständnis im Dialog gerungen werden muss. Der Mensch, auch wenn er Patient ist, lässt sich nicht auf seine Hirnfunktionen reduzieren. Die Psychiatrie bewegt sich in einem Spannungsfeld, in welchem Biochemie und Philosophie, Spiritualität und Pädagogik, ein aufgeklärtes Menschenbild und differenzierte Therapie aufeinandertreffen. Die Psychiatrie setzt an beim Leiden und subjektiven Empfinden (Angst, Wahn, Zwang, Scham, Depression, Sucht) und sie möchte dem seelisch kranken Menschen helfen, mit sich selbst und mit den an ihn gestellten Ansprüchen umzugehen.

Even in today’s world, the concept of „soul“ has meaning. Despite medical technology, despite scientific progress, people remain individuals and we have to struggle to gain their acceptance through dialogue. Humans, even when they are patients, cannot be reduced to the functioning of their brains. Psychiatry operates in a contested terrain where biochemistry, philosophy, spirituality and pedagogy, enlightened humanism, and nuanced therapy collide. The soul cannot be seen, nevertheless finds expression in medical conditions as well as in therapeutic actions. Psychiatry starts with the suffering and subjective feelings (fear, delusion, compulsion, shame, depression, addiction) and wants to help mentally ill people deal with themselves and the demands that are placed upon them.

Geschichte / History

Um das heutige Tun richtig zu verstehen, ist der Blick in die Geschichte unabdingbar. Das gilt für das Verständnis des Individuums ebenso wie für die Beurteilung einer Institution. Die Psychiatrie hat auf dem Hintergrund der sich wandelnden Gesellschaft tragische Tiefen und denkwürdige Höhen erlebt. Vor 200 Jahren waren die Verhältnisse für viele seelisch Kranke unmenschlich: Sie mussten aus Kerkern und Verließen und von Ketten befreit werden. Im deutschen Nationalsozialismus wurden vom Staat viele zigtausend psychisch Kranke ermordet. In den siebziger Jahren der Bundesrepublik Deutschland beschreibt eine Enquête über die Lage der Psychiatrie die Situation als "menschenunwürdig". Demgegenüber gibt es Aufbrüche der wissenschaftlichen Erkenntnis: neue Therapiemethoden, Sigmund Freud und seine Psychoanalyse, medikamentöse Hilfen, eine sozialpsychiatrische Bewegung und vieles mehr. Das Christophsbad selbst ist seit mehr als 150 Jahren Ort dieser Geschichte. Die alte und die moderne Architektur bezeugen die Wandlungen.

In order to understand what we do today, we cannot avoid looking at history. This applies equally to an understanding of individuals and to assessments of institutions. In the context of our changing society, psychiatry went through tragic depths and memorable heights. 200 years ago, conditions for mentally ill were inhuman: they had to be freed from prisons and dungeons and from chains. Under National Socialism in Germany, many thousand of mentally ill patients were murdered. An official investigation into the state of psychiatry in the 1970s in the Federal Republic of Germany described the situation as “inhumane”. On the other hand, there are new advances in scientific knowledge: new therapeutic treatments, Sigmund Freud and his psychoanalysis, behavior therapy, pharmaceutical aids, a social psychiatry movement, and much more. The Christophsbad has been a place and a part of this history for more than 150 years. The old and new architecture reflect the changes.

Geschichten / Stories

Der Mensch steht im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit. Die Geschichte wird von Menschen gemacht. Neben Diagnosen, Therapiemethoden, Krankheitsbildern wollen wir vor allem auf die Menschen schauen, die leidenden und die helfenden. So stoßen wir auf unzählige bedeutsame Geschichten, Krankengeschichten und Biographien. Berühmte Persönlichkeiten begegnen uns als Psychiatriebetroffene und als therapeutisch Tätige. Anonyme Anekdoten bergen liebenswerte und nachdenkliche Botschaften. Wer ging hier ein und aus? Das waren Jacob van Hoddis, Heinrich Landerer, Margarete Klinckerfuß, Julius Robert Mayer, Hans Jörg Weitbrecht und viele Tausende, die ihre Spuren und Geschichten hinterlassen haben.

People are at the center of our investigation; history is made by people. In addition to diagnoses, therapy methods, and medical conditions, we want to pay particular attention to people, those who suffer and those who help. Thus, we encounter countless important stories, accounts of diseases, and biographies. We meet famous people being affected by psychiatric illness and being active in treatment. Anonymous anecdotes hold heart-warming and thought-provoking messages. Who frequented this place? Jacob van Hoddis, Heinrich Landerer, Margarete Klinckerfuß, Julius Robert Meyer, Hans Jörg Weitbrecht and many thousand others who left behind their imprint and stories.