Hudut - 16.12.2011

Die türkische Tageszeitung Hudut (Edirne) zum Projekt des Psychiatriemuseums Edirne mit dem MuSeele

zum Lesen

Yenigün - 16.12.201

Die türkische Tageszeitung Yenigün (Edirne) zum Projekt des Psychiatriemuseum Edirne mit dem MuSeele

zum Lesen

Cultural Contact Point Germany

Cultural Contact Point Germany ist die nationale Kontaktstelle für das Förder­programm KULTUR (2007-2013) der Europäischen Gemeinschaft.
Mehr zum Projekt Connecting the European Mind und der Beteilung des MuSeeles:

http://www.ccp-deutschland.de/fileadmin/projekte/2009_Connecting_the_European_Mind_MuSeele.pdf

NWZ - 06.10.2011

Hilfe für kranke Seelen
Viele Veranstaltungen zum Welttag der seelischen Gesundheit


Kreis Göppingen. Um die seelische Gesundheit von immer mehr Menschen scheint es immer schlechter bestellt. Zum Welttag der seelischen Gesundheit laden viele Organisationen zu unterschiedlichen Veranstaltungen ein.

von Margit Haas

Die Zahl der psychischen Erkrankungen steigt, "Burn out" scheint sich zu einer Volkskrankheit zu entwickeln. Auch die Einrichtungen in Göppingen, die sich in der Betreuung von Menschen mit psychischen und geistigen Problemen engagieren, sind von dieser bundesweiten Entwicklung betroffen. Zum Welttag der seelischen Gesundheit, der am kommenden Montag die betroffenen Menschen in den Mittelpunkt stellt, laden sie in diesem Jahr zu einer ganzen Reihe von Veranstaltungen ein. Unter dem Motto "Wissen schafft Verständnis: Forschung für unsere seelische Gesundheit" wird unter ganz unterschiedlichen Aspekten "um Sensibilität für das Thema psychische Erkrankung geworben", stellt Patricia Nagel von "Viadukt - Hilfen für psychisch Kranke" fest. Und fährt fort: "Durch Informationen wollen wir Vorurteile abbauen und das Thema einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen." Am kommenden Montag um 18.30 Uhr zeigen "Viadukt" und die "Lebenshilfe Göppingen" im Staufen-Movieplex Göppingen den Film "Das weiße Rauschen". In einer Welt, in der Lebenswege nicht mehr vorgezeichnet sind, und junge Leute auf der Suche nach sich selbst leicht die Bodenhaftung verlieren können, wird das Innenleben eines solchen jungen Menschen sichtbar gemacht.

Am 12. Oktober um 19 Uhr zeigen das "Kino Open End" und das Christophsbad Göppingen in der VHS Göppingen in der Mörikestraße 16 den aktuellen Film von Jodie Foster. "Der Biber" thematisiert die rätselhafte Depression von Walter Black. Aus seinen daraus resultierenden Problemen, die er im Alkohol vergessen will, befreit ihn eine Handpuppe. Der Biber, der alles repräsentiert, was Black nicht ist oder nicht mehr sein kann, wird zum Sprachrohr des Depressiven, der plötzlich ein anderes, dynamisches und lebenslustiges Gesicht zu zeigen beginnt. Rolf Brüggemann, Leiter des "MuSeele" im Christophsbad, wird eine Einführung geben und die anschließende Diskussion moderieren. Am 15. Oktober um 18 Uhr laden der Sozialpsychiatrische Dienst, die Tagesstätte Lichtblick und "Viadukt" zu einem Abend mit Dieter Au in das Mehrgenerationenhaus in der Schillerstraße in Geislingen ein. Humorvoll wird der Komiker seine Gäste unterhalten, die vom "Café Wunderbar" und dem Cateringservice von "Viadukt" zudem mit der entsprechenden Nervennahrung am Buffet versorgt werden. Die Bewirtung wird der Stadtseniorenrat Geislingen übernehmen. Den Veranstaltungsreigen beschließt eine Führung durch das "MuSeele" im Christophsbad in der Faurndauer Straße in Göppingen am 16. Oktober um 14.30 Uhr. Das Museum zeigt die vom Kulturfonds der Europäischen Union geförderte Sonderausstellung "Connecting the European Mind". Dabei geht es um die länderspezifischen Besonderheiten der europäischen Psychiatriegeschichte.

Info Seit 1992 findet jedes Jahr am 10. Oktober der World Mental Health Day, der Welttag für Seelische Gesundheit, statt. Ausgerichtet wird er von der World Federation for Mental Health in Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation.

Museum der Nervenheilkunst - 30.7.2011

MuSeele auf Deutschlandradio Kultur -> Podcast

Neue Württembergische Zeitung - 09.04.2011

Zwangsjacke und gute Düfte

Im "MuSeele" können sich die Besucher derzeit auf eine Reise durch Europa begeben. Die Ausstellung "Connecting the European Mind" gibt einen Überblick zu verschiedenen Aspekten der Psychiatrie-Geschichte.

Jetzt ist sie komplett, die Ausstellung zur europäischen Psychiatriegeschichte im "MuSeele", dem Museum des Göppinger Christophsbads. Museumsleiter Rolf Brüggemann, der mehr als 60 Psychiatrie-Museen in ganz Europa besucht hat, möchte mit der Sonderausstellung einen kleinen Überblick über die unterschiedlichen Aspekte geben. Sechs Installationen zeigen, wo zu verschiedenen Zeiten die Schwerpunkte lagen. Ziel der Ausstellung ist zudem die Vernetzung von Informationen, wie der Museumsleiter betont. Göppingen ist neben dem türkischen Edirne, dem belgischen Gent und Wien in Österreich der kleinste Partner.

Die Installation zum holländischen Therapieansatz zeigt sich innovativ: Mit Hilfe von Ton und Bild kann der Besucher die Psychiatrie mit allen Sinnen erfahren. Ein großes Gesicht ist zu sehen, die Leidensgeschichte drängt sich geradezu auf. Die Haare der Person - rote Borsten eines Besens - stehen zu Berge, Plastikhände ringen nach Hilfe. Unübersehbar hat er "einen Vogel", dieser sitzt, klein und grün, in den roten Haaren. Große Ohren an Scharnieren umrahmen das Gesicht. Damit nimmt die Installation Bezug auf Van Gogh, der sich ein Ohr abgeschnitten hatte. Selbstverletzendes Verhalten, aber auch Vielstimmigkeit, offenbaren sich dem Betrachter. Telefonhörer hängen von der Decke. Aus ihnen tönen Stimmen - die eigene der Person, aber auch diejenigen, die sie durch ihre Krankheit hört.

Gleich nebenan lädt die Station der portugiesischen Psychiatriegeschichte zur Entdeckungsreise ein: In gewisser Weise offenbart sich dem Betrachter die Gratwanderung zwischen Heilsglaube und Heilungswissen. Schnell wird klar, dass die Religion den Therapieansatz dominiert. Jesus hängt an einem Kreuz, auf dem "HEIL - UNG" steht. Doch der Schein der Erlösung trügt. Das Exponat wirkt hauptsächlich mit negativen Assoziationen, die fernab von einem glücklichen Ausgang der Krankheit liegen. Röntgenaufnahmen vom Hirn der Patienten reihen sich dicht aneinander. Ein Schädelknochen und ein Messer ergänzen die Installation. Auf dem "Schrein" stehen weiße Figuren - teilweise ohne erkennbares Gesicht oder Extremitäten. Sie sollen an die Menschen erinnern, die durch die Durchtrennung von Hirngewebe zu schemenhaften Robotern wurden.

"Freiheit ist therapeutisch", fällt dem Betrachter der italienischen Installation sofort ins Auge. Geschrieben in italienischer Sprache, werden die Worte von einem demonstrierenden Patienten in die Höhe gehalten. Es geht um die Anti-Psychiatrie aus den 70er Jahren. Der lebensgroßen Plastikpuppe fehlt jede Bewegungsfreiheit, sie ist mit einer Zwangsjacke fixiert und steht hinter Gittern eingeschlossen. Die Ansammlung der Gegenstände zeigt die schrecklichen Zustände der "Verwahr-Psychiatrie" in Italien.

Ein Blick auf die Geschichte der Türkei zeigt ein grundlegend anderes Bild: Zu sehen ist eine Psychiatrie, die uns heute wie wundersam erscheint. Düfte, Tanz und Musik wurden als Therapie eingesetzt. Ob die Zustände wirklich wie im Schlaraffenland waren, weiß auch der Museumsleiter nicht. Das Exponat vermittelt zumindest den Eindruck. Hier steht eine Wasserpfeife, daneben Gläser und Löffel auf einem Beistelltisch, an der Wand hängt ein kleiner Spiegel. Aus Kopfhörern erklingt zauberhafte türkische Musik.

An der österreichischen Installation lernt der Betrachter das wohl schwärzeste Kapitel der Psychiatriegeschichte kennen: Ein Kinderbett ist geschmückt mit einem rot-weißen Absperrband. Auf ihm steht "Tatort Krankenbett". Schnell wird klar, dass das Dargestellte auf die 5000 behinderten Kinder, die in der NS-Zeit umgebracht wurden, Bezug nimmt. Ein Kinderlied tönt unablässig aus einem kleinen Lautsprecher. In Anbetracht der grausamen Morde wirkt die fröhliche Frauenstimme grotesk.

Die Exponate werden ergänzt durch ein Bild, das im Rahmen einer Kunsttherapie entstand.

Jede einzelne Station bildet eine abgeschlossene Einheit. Der Besucher, der sich ohne Scheu auf die Details einlässt, erhält einen interessanten Einblick in die Psychiatriegeschichte aus mehreren hundert Jahren. Die Ausstellung punktet daher nicht nur mit ihrer Interaktivität.

Info Das "MuSeele" ist mittwochs von 16 bis 18 Uhr und sonntags von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Führungen sind nach Voranmeldung auch außerhalb der Öffnungszeiten möglich. Der Eintritt beträgt ein Euro.

Neue Württembergische Zeitung - 08.04.2011

"Verrückt? Na und!"

Die Zahl psychisch Kranker steigt und damit auch die Zahl derer, die mittelbar mit der Problematik konfrontiert sind. Das Projekt "Verrückt? Na und!" des Vereins Viadukt will Schüler sensibilisieren.

"Bekloppt! Einen Sprung in der Schüssel! Verrückt!" Menschen mit psychischen Erkrankungen haben es schwer. Sie müssen nicht nur mit ihrer Krankheit leben, sie sind auch noch Vorurteilen anderer ausgesetzt. Dem will das Projekt "Verrückt? Na und!" entgegen wirken. Anja Federle von "Viadukt - Hilfen für psychisch Kranke" geht mit ihrem Kollegen Johannes Räpple in Schulen, wirbt dort für mehr Toleranz, klärt über Ursachen auf, ermuntert die Schüler, fairer im Umgang mit anderen zu sein.

Betroffen und berührt sind die Schüler der Klasse 8 b der Haldenberg-Realschule an diesem Morgen, als eine ihrer Klassenkameradinnen offen berichtet: "Meine Mama hat auch Depressionen und war ein halbes Jahr in der Klinik." Es macht deutlich, dass immer mehr Menschen unter psychischen Erkrankungen leiden, und dass damit auch die Zahl der mittelbar Betroffenen steigt, dass Familien und Kinder sich immer häufiger mit ganz unterschiedlichen und oft für sie schwer greifbaren Krankheitsbildern auseinander setzen müssen. Gleichwohl werden psychisch Kranke noch immer vielfach ausgegrenzt und diskriminiert, als Verrückte abgestempelt und belächelt.

Das Schulprojekt "Verrückt? Na und!" sei ein weiterer Schritt, psychische Erkrankungen zu enttabuisieren. Die Schüler sollen Mut bekommen, über sich selbst nachzudenken und zu sprechen. Sie sollen aber auch Medien kritisch hinterfragen und Vorurteile wahrnehmen. "Wir wollen aufzeigen, dass sich viele psychische Störungen in der Kindheit und Jugend, der wichtigsten Zeit für eine gute gesundheitliche Entwicklung und Sozialisation, manifestieren."

Einen ganzen Vormittag lang befasst sich die Klasse mit dem Thema, setzt sich mit den eigenen Vorstellungen vom Leben auseinander und spricht mit einer Betroffenen. Dass diese offen mit ihrer Krankheit und ihrer Vorgeschichte umgeht, ruft unterschiedliche Reaktionen hervor. Denn vom sexuellen Missbrauch eines Kindes in den Medien zu hören oder zu lesen, ist das eine. Einer Betroffenen gegenüber zu sitzen, verunsichert sichtbar. Zögerlich kommen die Fragen zunächst, dann wollen die Schüler wissen, wie die Therapie aussieht, welche Erfahrungen sie gemacht hat und ob sie heute "gesund" ist. Dabei wird schnell klar, dass der Begriff relativ ist. "Denn, wenn ein seltsames Verhalten verrückt ist, dann wären wir ja alle verrückt", stellt eine Schülerin fest. Und spätestens bei der Frage von Anja Federle nach Phobien, wird deutlich, dass mit dem Begriff "verrückt" oft leichtfertig umgegangen wird.

Am Ende der sechs Stunden waren sich alle mit Lara einig: "Es war sehr interessant, mit einer Betroffenen direkt zu sprechen." Justin will noch mehr von diesem Thema erfahren und Julia fand positiv, "dass auf alle unsere Fragen detailliert eingegangen wurde". Ein Besuch im Psychiatriemuseum "MuSeele" im Christophsbad Göppingen schloss das Projekt ab.

Info Das Projekt "Verrückt? Na und!" wendet sich an Schüler ab der achten Klasse. Informationen bei Anja Federle Telefon: (07161) 656160 oder unter www.viadukt-gp.de

NWZ - 11.03.2011

Psychiatrie : Einblick in die Geschichte


Einen Einblick in die europäische Psychiatriegeschichte gibt das "MuSeele" im Christophsbad seit dieser Woche. Die neue Ausstellung beinhaltet sechs Installationen zu verschiedenen Ansätzen.

An langen Kabeln hängen Telefonhörer von der Decke. Eine lebensgroße Plastikpuppe in einer Zwangsjacke ist hinter Gittern eingeschlossen und aus der Ecke ertönt unablässig ein Kinderlied. Alle Elemente dokumentieren die Psychiatriegeschichte aus Europa. Das "MuSeele" im Christophsbad zeigt seit Mittwoch eine Sonderausstellung namens "Connecting the European Mind" - zu deutsch etwa "Vernetzung der Europäischen Seele". Die vom Europäischen Kulturfonds geförderte Ausstellung beschäftigt sich mit einzelnen Abschnitten der europäischen Psychiatriegeschichte: Unter ihnen sind Höhepunkte, aber auch schwarze Kapitel. So werden beispielsweise die türkische Musiktherapie, die Psychosomatik des Herzens oder die italienische Antipsychiatrie beleuchtet.

Das "MuSeele" besteht inzwischen seit 2004 und sieht sich als Museum für Geschichte der Psychiatrie und Psychiatriegeschichten. Im Dachgeschoss von Haus 10, einem historischen Gebäudetrakt des Christophsbads, standen die etwa 30 Besucher bei der Eröffnung der Ausstellung dicht gedrängt. Museumsleiter, Diplom-Psychologe Rolf Brüggemann, führte die Anwesenden in die Besonderheiten der Psychiatrien ein: Schockierend zeigten sich Psychochirurgie in Portugal oder aber die Installation zur österreichischen Vergangenheit, mit der die Krankentötung zur Zeit des Nationalsozialismus dargestellt wird. Auch die unkonventionellen Therapieansätze in Holland wurden von Brüggemann vorgestellt. Großen Wert legt das Museumsteam auf Interaktion. "Wir wollen nicht viel Text an die Installationen kleben", betonte Brüggemann. Viel wichtiger findet er, dass sich die Besucher auf das, was sie sehen, einlassen und so zu neuen Erkenntnissen kommen.

Nachdem sich das "MuSeele" fest etabliert hat, zeigen die Vereinsmitglieder nun neue Facetten und bringen den Besuchern eindrucksvolle Installationen nahe. Von den Exponaten waren manche schon seit einiger Zeit zu bewundern. Nun ist die Ausstellung, die etwa ein Jahr im Christophsbad zu sehen sein wird, komplett. Die einzelnen Installationen wurden von zehn Mitgliedern des Vereins selbst geschaffen und wirken mit liebevollen Details auf den Besucher. "Unser Museum ist die Schnittstelle zwischen Innen und Außen - also zwischen der Psychiatrie und der Außenwelt", sagte der Museumsleiter. Er hofft, dass Patienten, Angehörige, Schüler oder anderweitig Interessierte die Möglichkeit nutzen und sich durch die Ausstellung einen Einblick verschaffen. Dass nicht alles abstoßen und erschreckend sein muss, was mit Psychiatrie zu tun hat, zeigt beispielsweise die Installation zur türkischen Psychiatriegeschichte. Fortschrittliche Ansätze, die wohltuende Klänge und Düfte als Heilmittel ansahen, verdeutlichen es. Die sechs Installationen ermutigen die Besucher selbst in die Rolle des Diagnostikers, Therapeuten oder Patienten zu schlüpfen.

Info Das "MuSeele" ist mittwochs von 16 bis 18 Uhr und sonntags von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Führungen sind nach Voranmeldung auch außerhalb der Öffnungszeiten möglich. Der Eintritt beträgt ein Euro.