In aller Kürze

Göppinger Kultur-Nacht

Am 24. Juni 2017 findet zum achten Mal die Göppinger Kultur-Nacht statt, an der das MuSeele auch wieder teilnehmen wird. Das MuSeele freut sich auf Ihren Besuch und hat seine Pforten an diesem Abend von 19 bis 1 Uhr für Sie geöffnet. Tickets können Sie im Vorverkauf über unseren Museumsshop erwerben.

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Filstalwelle - 11.11.2015

Filmbeitrag über die Sonderaustellung "Kettenmenschen"   
   

Über den nachfolgenden Link gelangen Sie zu einem Film über die Sonderausstellung "Kettenmenschen" im MuSeele:

 

http://videos.filstalwelle.de/20151111-Kettenmenschen.mp4

 

NWZ - 6.11.2015

Foto: Giacinto Carlucci
Wo Unkenntnis zur Ausgrenzung führt
Ausstellung im Christophsbad eröffnet
 
Von Patricia Moser
 
Mit Vorträgen wurde im Christophsbad auf die Ausstellung "Kettenmenschen" hingeführt. Bilder, derzeit ausgestellt im MuSeele zeigen, dass Menschenrechte in manchen Teilen der Welt nicht existieren.
 
Göppingen. Die Ausstellung "Kettenmenschen" im MuSeele wurde im voll besetzten Herrensaal eröffnet. In einer Kooperation des Christophsbads Göppingen und dem Freundeskreis St. Camille in Reutlingen werden Verstöße gegen das Menschenrecht dokumentiert: auf Fotos, Filmen, mit Fetischen und Ketten. Mit ernsten Mienen gehen die Besucher bei der Ausstellungseröffnung durch den kleinen Nebenraum des MuSeele. Die Enge des Ausstellungsraumes scheint fast symbolisch für den Umgang mit psychisch Kranken in Westafrika. Auf großen Porträts blicken Afrikaner dem Besucher entgegen. Kurze, prägnante Aussagen der Personen klären über deren persönliche Geschichten auf.
 
Einige Bilder wurden vor wenigen Wochen erst aufgenommen, manche sind schon etwas älter. Gezeigt werden Menschen von der Elfenbeinküste, die befreit wurden - befreit von ihren Ketten. Kein Wortspiel, keine Assoziation ist hier gemeint, sondern Ketten im wahrsten Sinne des Wortes. Ein Katalog, der zur Ausstellung erstellt wurde, gibt detailliert Auskunft über jede Person.
 
Ein Vorwort von Rolf Brüggemann, dem Leiter des MuSeele, bringt es auf den Punkt: "Die Hilfe des Menschenfreundes ist gefragt". Hier kommt der Freundeskreis St. Camille ins Spiel, den es seit 2003 gibt. "Mein Mann ist Journalist und hat über die Kettenmenschen an der Elfenbeinküste berichtet - die Bilder haben ihn nicht mehr losgelassen", so erzählte Christine Keck im Herrensaal. "Ich musste ihn einfach unterstützen", sagte Keck weiter, die sich in zahlreichen Reisen selbst ein Bild machte. Sie sprach an diesem Abend auch stellvertretend für ihren Mann, der derzeit in Afghanistan als Reporter unterwegs ist.
 
Aus Unkenntnis, Aberglauben und mangels finanzieller Mittel werden an der Elfenbeinküste psychisch Kranke aus der Gesellschaft ausgeschlossen. An einen Baum gekettet oder in einer dunklen Hütte verwahrt, fristen kranke Menschen ein unmenschliches Dasein. Eine Originalkette ist in einer Vitrine in der Ausstellung im MuSeele zu sehen. Fetische, Hilfsmittel der traditionellen Heiler Westafrikas zeigen in sieben Vitrinen im Klinikum Christophsbad auf, womit vor Ort auf traditionelle Weise geheilt wird.
 
Die Ausstellung ist bis 8. März 2016 im Christophsbad zu sehen. Die Anwesenheit zahlreicher Journalisten, Ärzte, Psychiater und Fotografen zeigte die sehr gute Vernetzung des Vereins auf. Seit der Gründung in 2003 wurde viel erreicht und vielen Menschen geholfen. Aufklärung vor Ort und medizinische Hilfe sind nur Teil der Hilfe, die nach wie vor notwendig ist. Die "Allgmeine Erklärung der Menschenrechte" wurde mittels Broschüre im Herrensaal verteilt. Bereits Artikel 1 bescheinigt hier "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" für alle Menschen. "Welch ein Privileg zu dem Teil der Welt zu gehören, der anderen zu diesem Recht verhelfen kann", wurde laut gedacht.
 

KontextWochenzeitung - 4.11.2015

Gesprengte Ketten
 
Von den Fotografen Heinz Heiss und Uli Reinhardt
 
Es gibt Geschichten, die bleibende Spuren hinterlassen. Nicht nur bei den Lesern, sondern auch bei denen, die sie geschrieben und fotografiert haben. Zwei Fotografen, ein Reporter und eine Reporterin machen sich mit ihrem Verein St. Camille in Reutlingen für "Kettenmenschen" stark; dies sind psychisch Kranke, die in Westafrika eingesprerrt, angekettet und misshandelt werden. Eine Ausstellung in Göppingen dokumentiert die Arbeit des Vereins und die Schicksale der Geschundenen.
 
Zehntausende Menschen in Westafrika sind betroffen: sie leiden an Psychosen, Demenz, Alzheimer, Schizophrenie und anderen psychischen Krankheiten. Meistens wird ihnen nicht geholfen. Stattdessen werden sie eingesperrt oder festgekettet. Familienangehörigen, Freunden und Bekannten wird von Heilern Glauben gemacht, die Kranken seien von Dämonen und bösen Geistern befallen.
 
Die "Kettenmenschen" wrden von staatlicher Entwicklungshilfe und den großen deutschen Hilfsorganisationen weitgehend ignoriert. Kaum jemand interessiert sich bislang für ihre Schicksale. Ausnahmen sind die Organisation St. Camille de Lellis und ihr Direktor Gregoire Ahongbonon, die fast im Alleingang aktiv Hilfe leisten und das schon seit mehr als 20 Jahren: in der Elfenbeinküste und im Benin haben sie insgesamt 16 Behandlungszentren geschaffen, in denen die psychisch Kranken therapiert werden.
 
Die ReporterInnen und Fotografen Heinz Hess, Christine Keck und Wolfgang Bauer waren vor Ort, haben die Geschichten der Geschundenen dokumentiert und sind selbst zu Helfern geworden. Mit dem Verein Freundeskreis St. Camille in Reutlingen, ein Zusammenschluss von Privatleuten, unterstützen sie die Arbeit von Gregoire Ahongbonon, versuchen große Hilfsorganisationen zu gewinnen, machen Lobbyarbeit für die Kettenmenschen, die keine Lobby haben, sondern verschwiegen und verheimlicht werden.
 
Vom 4. November 2015 bis 8. März 2016 zeigt der Verein in Zusammenarbeit mit dem Psychiatriemuseum MuSeele in der Göppinger Klinik Christophsbad, Faurndauer Straße 6, die Sonderausstellung "Kettenmenschen - Vom Umgang mit psychisch Kranken in Westafrika", die mittwochs zwischen 16 und 18 Uhr und sonntags zwischen 14 und 16 Uhr geöffnet hat.

Stuttgarter Zeitung/Stuttgarter Nachrichten - 4.11.2015

Nach vielen Jahren Gefangenschaft entfernt der Bruder eines psychisch Kranken die Eisenstange zwischen dessen Knöcheln - In Eisen gelegt und vernachlässigt
 
Von Corinna Meinke
 
Interview Das MuSeele im Klinikum Christophsbad beleuchtet in der Ausstellung "Kettenmenschen" den unmenschlichen Umgang mit psychisch Kranken in Westafrika - und porträtiert die Opfer und ihren Befreier.
 
Dem ergreifenden Schicksal der angeketteten psychisch Kranken und ihrer Befreiung in Westafrika widmet sich von Mittwoch an eine Ausstellumg im MuSeele, dem Museum für Psychiatriegeschichte, im Göppinger Klinikum Christophsbad. Die StZ-Redakteurin Christine Keck vom Reutlinger Verein Freundeskreis St. Camille hat die Ausstellung mit Bildern der Fotografen Heinz Heiss und Uli Reinhardt kuratiert. Der Freundeskreis unterstützt die Partner in der Elfenbeinküste mit Medikamenten.
 
Frau Keck, was in aller Welt bitte sind denn Kettenmenschen?
In der Elfenbeinküste oder auch in Benin werden Menschen, die etwa an Psychosen erkrankt sind oder unter manisch-depressiven Schüben leiden, von ihren Angehörigen an Ketten gelegt oder in Hütten weggesperrt. Wie die Tiere werden sie angebunden, teils über Wochen, teils über Jahre. Manche sterben in der Gefangenschaft.
 
Wieso werden psychisch Kranke so bestialisch behandelt?
Die Familien haben Angst vor den oft gewalttätigen Ausbrüchen, sie sind überfordert und greifen zur Fixierung. Eine Methode, die ja auch in deutschen Kliniken angewendet wird. Dazu kommt die Sorge, dass die bösen Geister, die die Kranken befallen haben, auf Gesunde überspringen könnten. Die Angehörigen halten Abstand, verstecken die Verrückten am Rande der Dörfer.
 
Wie muss man sich das vorstellen?
Da ist zum Beispiel Véronique aus Abidjan, die ich bei einer meiner Reisen kenngelernt habe. Wegen ihrer manischen Phasen wurde sie von ihren eigenen Eltern einem Heiler in einem weit entfernten Dorf übergeben, der sie an einen Baum ankettete und versprach, sie von den Dämonen zu befreien. Véronique wurde mehrfach vergewaltigt, sie war eine leichte Beute für die Männer. Die Schreie der Irren wurden ignoriert, die Kinder hänselten sie.
 
Gibt es keine staatlichen Stellen, die sich um die Kranken kümmern?
Das medizinische Hilfesystem in der Elfenbeinküste ist miserabel, für die 23 Millionen Einwohner gibt es zwei staatliche psychiatrische Kliniken. Das heißt, viele Krankheiten werden nie diagnostiziert geschweige denn behandelt. Zudem leben viele Ivorer in großer Armut, ihnen fehlt das Geld, um Medikamente kaufen zu können. Eine schlechte Ernte und sie können es sich nicht mehr leisten, für Behandlungskosten aufzukommen.
 
Und was tun die Hilfsorganisationen?
Es gibt keine große Hilfsorganisation, die sich der Angeketteten annimmt, die haben deren Schicksal nicht auf dem Schirm, obwohl viele Tausende Menschen davon betroffen sind. Nicht nur in Westafrika, sondern auch in Ostafrika oder auf der Urlaubsinsel Bali. Die Angeketteten haben keine Lobby - und deshalb helfen wir.
 
Wie sieht diese Hilfe aus?
Wir schicken Psychopharmaka und Lebensmittel nach Afrika und unterstützen damit die katholische Organisation St. Camille de Lellis. Ihr Direktor ist der ehemalige Taxifahrer Gregoire Ahongbonon, der mit seinen Teams die Kranken von ihren Ketten befreit und in eigens gegründeten Therapie- und Rehabilitationszentren aufnimmt. Dort finden sie allmählich in ein menschenwürdiges Leben zurück. Sie werden neu eingekleidet und schlafen in Gruppenräumen. Ehemalige Kranke kümmern sich um die Neuzugänge, die Zentren setzen auf das Prinzip der afrikanischen Großfamilien. Die Kranken sollen dort aber nicht zu lange bleiben, sondern wieder selbstständig werden. Ziel ist die Rückkehr in die Dörfer und eine Langzeitversorgung mit Psychopharmaka. Die beste Aufklärung ist, wenn wir mit einem Kranken zurück in sein Dorf gehen, und er verhält sich dank der Medikamente wieder normal. Das nimmt den Familienmitgliedern die Angst.
 
Das Gespräch führte Corinna Meinke
 
 
VIELE KÖNNEN WIEDER ARBEITEN
 
Der Verein Der Freundeskreis St. Camille mit Sitz in Reutlingen finanziert Medikamente und unterstützt den Aufbau von Therapie- und Rehabilitationszentren der katholischen Partner in Westafrika. Seit 1991 sind 15 Zentren gegründet worden, rund 15 000 Menschen konnte geholfen werden. Dank der Behandlung können die Kranken zum Teil wieder arbeiten. Das geschieht zum Beispiel in einer Bäckerei oder an Webstühlen. Manche werden in einer Schneiderei ausgebildet oder arbeiten auf dem Feld.
 
Christine Keck betreut in dem Freundeskreis die Felder Öffentlichkeitsarbeit und Finanzen. Als Redakteurin bei der Stuttgarter Zeitung plant sie die Reportagen auf der Seite Drei.
 
Ausstellung Die Schau "Kettenmenschen" ist bis 8. März 2016 mittwochs von 16 bis 18 Uhr sowie sonntags von 14 bis 16 Uhr zu sehen im MuSeele in der Faurndauer Straße 6 - 28.
 
Weitere Informationen unter

NWZ - 30.10.2015

Ausstellung zeigt seelisch schwer zu ertragende Bilder
 
von Margit Haas
 
Die Bilder schockieren: Menschen, angekettet an Bäumen oder in Kellern. Mit der Ausstellung "Kettenmenschen" will das "MuSeele" auf die Situation psychisch Kranker in Westafrika aufmerksam machen.
 
Schockierende Bilder werden in einer Ausstellung des "MuSeele" zur Situation psychisch kranker Menschen in Westafrika gezeigt.
 
Wer psychisch krank ist, ist von Dämonen besessen. Kann der Medizinmann nicht helfen, wird vielleicht in der Kirche gebetet. Hilft dies auch nicht, werden die Menschen aus der Gesellschaft ausgestoßen, angekettet und oft jahrelang sich selbst überlassen. Die hygienischen Umstände sind katastrophal, was sie zu essen bekommen, reicht gerade so zum Überleben. "Die Menschen handeln nicht aus Bosheit, sondern aus einem Fehlglauben und aus Unwissenheit heraus", sagt Rolf Brüggemann, Leiter des "MuSeele" im Klinikum Christophsbad. Um dem wenigstens ein bisschen entgegen zu wirken, unterstützt er mit der Ausstellung die Organistation St. Camille. Die versucht in Westafrika, diesen Ausgestoßenen ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen.
 
"Die Mitarbeiter fahren übers Land und fragen in den Dörfern, ob sie diese Menschen mitnehmen dürfen." In psychiatrischen Zentren, die St. Camille, eine Reutlinger Organisation, aus Spendenmitteln finanziert, kehrten nicht selten Betroffene nach einer entsprechenden Behandlung geheilt in ihre Döfer zurück. Brüggemann geht davon aus, dass nicht nur im Westen Afrikas psychisch Kranke so behandelt werden, sondern "vermutlich in vielen Ländern der Welt".
In der Ausstellung werden Bilder gezeigt, die schwer zu ertragen sind. Ausgemergelt, von langen Strapazen gezeichnete Körper, leere Gesichter und Fuß- und Handgelenke mit tiefen Spuren der Ketten. Sein eigener Bruder hatte André eine Eisenstange zwischen die Knöchel geschraubt, die mit zwei total verrosteten Manschetten fixiert waren.
 
Die Bilder erzählen die Geschichten der Menschen, zeigen auch, wie sie mit wachen Augen in die Kamera blicken, nachdem St. Camille ihr Martyrium beendet hatte. Eine Begleitbroschüre zur Ausstellung beschreibt die Biographien. Gezeigt werden auch zwei Filme: der erste über das Leben und Wirken von Philippe Pinel. Der französische Psychiater - er starb 1826 - setzte als erster eine ärztliche Behandlung ohne Zwangsmaßnahmen durch und schaffte einen Befreiungsakt für die Patienten. Ein zweiter Film zeigt Befreiungsaktionen durch St. Camille in Westafrika.
 
Info Ausstellungseröffnung: 4. November, 19 Uhr im Herrensaal des Klinikums Christophsbad Göppingen, Ausstellungsdauer bis 8. März mittwochs von 16 bis 18 und sonntags von 14 bis 16 Uhr. Führungen unter Telefon: (07161) 601-9712 oder info@museele.de.
 

Sommerfest, Kultur-Nacht, Landespsychiatrietag - 27.06.2015

Am 36. Sommerfest des Christophsbads war unser Museum natürlich geöffnet. Wir beteiligten uns zudem mit einem Edel-Flohmarkt. Der Erlös trug über 300 Euro zu unseren künftigen Projekten bei!

Am selben Tag fand der Landespsychiatrietag im Stuttgarter Hospitalhof statt! Auch dort waren wir mit einem Stand vertreten, informierten über unser Museum und verkauften Literatur zur Psychiatriegeschichte und vieles mehr.

Am Abend gehörten wir zu den 30 Stationen der Göppinger Kultur-Nacht. Bis 1 Uhr in der Frühe waren unsere Türen geöffnet.

Es lohnte sich: rund 120 Besucher fanden an diesem Samstag den Weg zu uns.

 

 



NWZ - 21.03.2015

Foto: Margit Haas
Drastische Sittengeschichte
 
"Kann denn Sünde Liebe sein? - Lustwandel" - so titelt die aktuelle Ausstellung im "Museele" im Göppinger Christophsbad und spürt dem Verhältnis von Psychiatrie und Sexualität nach.

von Margit Haas

Ein Ausstellungsrundgang, der auf der Herrentoilette beginnt? "Die Toilette ist ein Ort der Intimität", erklärt Rolf Brüggemann den ungewöhnlichen Auftakt zur aktuellen Ausstellung im "Museele". Und um Intimität geht es in der Ausstellung "Kann denn Sünde Liebe sein? - Lustwandel". Besser gesagt, es geht um die Folgen dieser Intimität, die bis 1942, als Alexander Fleming das Penicillin erfand, tödlich sein konnten. Geschlechtskrankheiten wie die Syphilis konnten nicht behandelt werden. In ihrem Endstadium litten die Patienten unter ganz unter-schiedlichen psychiatrischen Erkrankungen. Die Ausstellung, die in allen Räumen des "Museele"- und eben auch auf der Herrentoilette - gezeigt wird, zieht Parallelen zu AIDS. Auch dies führte zumindest in den Anfangsjahren zum Tode der Betroffenen. Und wie einst die Syphiliskranken wurden und werden bis heute HIV-Positive ausgegrenzt und diffamiert.

 

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat eine witzige Kampagne gestattet, die Sexualität nicht verbietet, sondern zum geschützten Verkehr aufruft. Früher dagegen wurde den Menschen empfohlen, keusch zu bleiben, sich eine ernsthafte Arbeit zu suchen und Sport zu treiben. Das Plakat regt heute eher zum Schmunzeln an. Historische und aktuellen Plakate aus der ganzen Welt zeigen augenscheinlich, wie unterschiedlich verschiedene Kulturkreise mit dem Thema Sexualität umgehen. Sie machen deutlich, dass Geschlechtskrankheiten Gemeinsamkeiten aufweisen: "Man redet nicht darüber und geht zu spät zum Arzte."

Ein weiterer Schwerpunkt ist ein Aufklärungsfilm aus den 30er Jahren. Ohne moralischen Zeigefinger zeigt er ruhig und sachlich, aber in starken Bildern, die Folgen der Syphilis-Erkrankung auf. Mit Quecksilber war es behandelt worden - vollkommen erfolglos. Kinder, die von einer an Syphilis erkrankten Frau geboren wurden, hatte keine Chance auf ein selbst bestimmtes Leben. "Sie dürften alle von den Nazis als so genanntes unwertes Leben ermordet worden sein. Denn in den psychiatrischen Krankenhäusern der Vorkriegszeit war "jeder vierte bis fünfte Patient betroffen. Sie wurden dort nur verwahrt."

Ein weiterer Schwerpunkt sind die "Moulagen". Diese kolorierten Gipsabdrücke der erkrankten Geschlechtsorgane dienten Studenten als Lehrmaterial. Die Leihgaben der Uni Tübingen zeigen aber auch Gliedmaßen von Babys, die mit der Erkrankung geboren wurden und einen typischen Ausschlag aufwiesen. Blättern kann man in den Büchern des "Sitten-Fuchs". Der geborene Göppinger Eduard Fuchs hatte Anfang des 20. Jahrhunderts mit seiner "Illustrierten Sittengeschichte" Furore gemacht. "Dies belegt, dass nun über Sexualität gesprochen werden konnte."

Info: Die Ausstellung ist bis Mitte des Jahres immer mittwochs von 16 bis 18 und sonntags von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Führungen in Kleingruppen auch außerhalb der Öffnungszeiten unter Telefon: (07161) 601-9712 oder www.museele.de