Sozialbürgermeisterin Frau Cobet im Christophsbad und im MuSeele

Almut Cobet, Rolf Brüggemann, Bernhard Wehde

Sozialbürgermeisterin Frau Cobet im Christophsbad und im MuSeele

 

Die Göppinger Sozialbürgermeisterin Frau Almut Cobet war am 7. August zu ihrem ersten Besuch im Klinikum Christophsbad. Geschäftsführer des Christophsbads Bernhard Wehde und Museumsleiter Rolf Brüggemann begrüßten die Erste Bürgermeisterin im MuSeele, dem dortigen Museum für Psychiatriegeschichte. In einem zweistündigen Rundgang über das Klinikgelände und durch die Gebäude, insbesondere durch das MuSeele, konnte Frau Cobet erste Eindrücke von den vielfältigen Aktivitäten gewinnen.

 

In den Gesprächen wurden aktuelle Projekte angesprochen, wie etwa der lang ersehnte Klinikkindergarten oder Integration von hilfsbedürftigen Menschen aus gesellschaftlichen Randgruppen.

 

Hierzu konnte das Psychiatriemuseum im Hintergrund die Verflechtung von Gesundheitsangeboten und sozialen Ressourcen historisch verdeutlichen.

 

 Frau Cobet äußert sich anerkennend über die sozialen und kulturellen Angebote, die die Klinik zu einem sehr lebendigen Ort des Austausches machen. Zudem informiert sich Frau Cobet über das Christophorus-Projekt und die geplante Filsufergestaltung mit einer Christophorusskulptur an der Brücke gegenüber der Klinik. Mit dieser Skulptur soll „ein mutmachendes Symbol für Hilfsbereitschaft und Gefahrenbewältigung geschaffen werden“, so der Initiator des Projekts Rolf Brüggemann. Sowohl das MuSeele als auch das Christophorus-Projekt werden von gemeinnützigen Vereinen getragen. Die enge Zusammenarbeit von Stadt, privatem Klinikträger und Vereinen wird mit weiteren konkreten Schritten vereinbart.

 

 

Soziale Psychiatrie - Bewegende Eindrücke von einer Reise in die psychiatrischen Einrichtungen in der Elfenbeinküste - Rolf Brüggemann, Museumsleiter

Psychiatrie in Ketten Psychiatrie in Ketten (622,0 kB)

 

Sonderausstellung Maske & ALTER EGO

Der Arzt als Narr

 

Ich ist ein Anderer, wir verstecken uns hinter Masken, entsprechen den Erwartungen von außen. Authentizität ist ein unwahrscheinliches Ideal. Meine Person ist ein Kompromiss. Gleichzeitig kann die Maske mir auch Freiheiten ermöglichen (neben Missbrauch) hin zu dem anderen Ich (ALTER EGO), das ich eigentlich bin oder sein möchte.

In der Ausstellung thematisieren Bilder, Filme, Skulpturen und Texte die diesbezüglichen seelischen Herausforderungen, die unserem Leben im Weltentheater Spannung verleihen.

 

Die Ausstellung endete am 25. Juli 2017.


Weiteres zur Ausstellung im MuSeele

Wer ist der Narr?

Er selbst oder der, den er vernarrt?

Die Bedeutung der Figur ist tiefgründig. So erscheint im 16. Jahrhundert in der Bildwelt des Hieronymos Bosch die Darstellung vom Steinschneiden: eine fragwürdige Person schneidet am Kopf einer anderen Person und entfernt einen Stein. Dies soll wohl zur Besserung oder auch Läuterung des Betroffenen beitragen. Alles ist aber fake. Der Stein war schon zuvor bereitgehalten. Eine beeindruckende Show eines Scharlatans für den, der ihm auf den Leim geht. So lassen sich Geschäfte machen.

 

Bei aller Narrenfreiheit: ist der Therapeut ein Narr? Ja, auch er arbeitet mit magischen Ritualen und mit irrationalen Konstrukten. Es mag ihm helfen und gelegentlich wohl auch dem Patienten. Narren sind beide.

NWZ, Beitrag vom 27.02.2017

Ausstellung im Klinikum Christophsbad Göppingen

 

Mit der Maske zum anderen Ich

 

Das Psychiatriemuseum MuSeele im Göppingen Christophsbad beleuchtet in seiner aktuellen Ausstellung die Maske aus einem therapeutischen Blickwinkel - Foto: Carluci

 

Von Evelin Krix 27.02.2017

Als Versteck, Schutz, zum Verängstigen, aus sich herauskommen oder um in andere Rollen zu schlüpfen: Masken werden aus vielen Gründen getragen. Das Psychiatriemuseum „MuSeele“ im Göppinger Christophsbad beleuchtet in seiner aktuellen Ausstellung „Maske und das Alter Ego“ die Maske nicht aus einem schmückenden, sondern einem therapeutischen Blickwinkel.

Thematisiert werden neben den Bedürfnissen der Psyche auch die Verknüpfungen zwischen Maske und Emotionen. Der Besucher startet seine Besichtigung in einem kleinen Raum mit Ausschnitten aus Filmen wie „Faust“, „Das Bildnis des Dorian Grey“ oder „V wie Vendetta“. Danach geht es mit verschiedenen Arten der Maskierungen in Form von Exponaten, Plakaten und Büchern weiter.

„Während dem Aufbau haben wir so viel gelernt: Welche Bezüge zu unserer Arbeit hier im Haus entstehen, aber auch kultur- und kunstgeschichtlich“, erzählt Museumsleiter Rolf Brüggemann. „Wir merken, wie wichtig die Maske und Demaskierung für unsere Selbstfindung ist. Der Mensch, der zu uns kommt, der zweifelt an sich selbst.“ Die Patienten hätten verlernt zu lachen oder sogar zu weinen. Andere verstellen sich oder bauen sich ein „Pokerface“ auf, weil sie den Erwartungen der Gesellschaft gerecht werden möchten. Dadurch baue sich laut Brüggemann oftmals ein Druck in der Seele auf: „Das passiert bei vielen unseren Patienten, dass die Authentizität nicht gegeben ist. Bei Schwererkrankten erstarrt die Mimik und die brauchen wir aber zur Kommunikation mit Sichtkontakt.“ Deshalb arbeite man im Christophsbad nicht nur mit Theatertherapie, sondern tatsächlich auch mit Masken: „Das kann im Theater oder im Rollenspiel eine Möglichkeit sein, den Weg zum eigenen Ich zu finden.“

Eine wichtige Maske in der Therapie sei auch die Clownsnase. „Es ist wichtig, dass wir von dem Ernsten, Seriösen wegkommen. Wir müssen uns bewusst machen, dass Lachen in der Klinik unbedingt möglich sein muss“, betont Brüggemann. Allein durch die kleine Veränderung des Aussehens mit der knallroten, runden Nase könne der Clown die Situation auflockern und Humor in die Ernsthaftigkeit der Behandlung bringen.

„Jede anormale Veränderung der Gesichtsmimik macht Angst, weil mein Gegenüber nicht mehr in seiner emotionalen Individualität erkennbar ist“, meint Brüggemann.  Man müsse den Menschenaufzeigen, dass die Verdeckung des Gesichts aus lustigen Gründen passiert. Das sei an Fasnacht aufgrund Totalmaskierung mit dem Narrenhäs öfter der Fall, weswegen auch ein Kostüm der „Ranzigen Füchs“ aus Wäschenbeuren ausgestellt ist. „An Fasnet ist das gesellschaftlich erlaubt“, meint Brüggemann. „Die Narren haben extra Bonbons dabei, um sich wieder beliebt zu machen.“

Herzstück der Ausstellung sind westafrikanische Masken aus privater Sammlung. Ähnlich wie bei der Fasnacht sollen mit schreckenerregenden Fratzen, Tanz, Musik und Krach böse Geister vertrieben werden. Tiere seien ein häufiges Motiv. Ähnlich wie beim Häs der „Ranzigen Füchs‘“ finden sich auch an einer westafrikanischen Tanzmaske aus dem 20. Jahrhundert Schellen wieder. „Stilistisch kann man die Masken unterscheiden, aber der kulturelle Gebrauch ist der Gleiche“, sagt Brüggemann. Aus seinem Peru-Urlaub hat der Museumsleiter einen sogenannten „Retablo“ – einen kleinen, aufklappbaren Altar – mitgebracht, der in der Ausstellung ebenfalls seinen Platz hat. „Peru, die Elfenbeinküste und hier: Diese drei ganz verschiedenen Orte gehen ähnlich mit der gleichen Thematik um und irgendwann lassen wir die Maske fallen. Das gehört zu dem Spiel dazu.“

  • Ausstellung drei Monate verlängert

Dauer: Ursprünglich sollte die Sonderausstellung „Maske und Alter Ego“ am 1. März zu Ende sein, wurde jetzt aber um drei Monate verlängert.

Ort: Das Psychiatriemuseum MuSeele sowie die Ausstellung findet man im Dachgeschoss im alten Badhaus des Göppinger Christophsbads.

Öffnungszeiten: Mittwoch 16 bis 18 Uhr, Sonntag 14 bis 16 Uhr. Der Eintritt beträgt zwei Euro pro Person. Führungen können auch außerhalb der Öffnungszeiten vereinbart werden. Sie kosten zusätzlich 30 Euro.

Kontaktformular / Contact form

 

Bitte tragen Sie Ihren Vor- und Nachnamen, sowie eine gültige Email-Adresse ein.

Please enter your first name and last name and provide a working e-mail address.

Please browse your local PC and choose your term paper file to be uploaded. Please note that we accept PDF format (Acrobat Reader) only! The file size must not exceed 1 MB.

Bitte rechnen Sie 8 plus 2.
 

Zurück