Sonderausstellung Maske & ALTER EGO

Der Arzt als Narr

 

Ich ist ein Anderer, wir verstecken uns hinter Masken, entsprechen den Erwartungen von außen. Authentizität ist ein unwahrscheinliches Ideal. Meine Person ist ein Kompromiss. Gleichzeitig kann die Maske mir auch Freiheiten ermöglichen (neben Missbrauch) hin zu dem anderen Ich (ALTER EGO), das ich eigentlich bin oder sein möchte.

In der Ausstellung thematisieren Bilder, Filme, Skulpturen und Texte die diesbezüglichen seelischen Herausforderungen, die unserem Leben im Weltentheater Spannung verleihen.

 


Weiteres zur Ausstellung im MuSeele

Wer ist der Narr?

Er selbst oder der, den er vernarrt?

Die Bedeutung der Figur ist tiefgründig. So erscheint im 16. Jahrhundert in der Bildwelt des Hieronymos Bosch die Darstellung vom Steinschneiden: eine fragwürdige Person schneidet am Kopf einer anderen Person und entfernt einen Stein. Dies soll wohl zur Besserung oder auch Läuterung des Betroffenen beitragen. Alles ist aber fake. Der Stein war schon zuvor bereitgehalten. Eine beeindruckende Show eines Scharlatans für den, der ihm auf den Leim geht. So lassen sich Geschäfte machen.

 

Bei aller Narrenfreiheit: ist der Therapeut ein Narr? Ja, auch er arbeitet mit magischen Ritualen und mit irrationalen Konstrukten. Es mag ihm helfen und gelegentlich wohl auch dem Patienten. Narren sind beide.

Stuttgarter Zeitung, Beitrag vom 19. November 2016

Ausstellung im Göppinger Christophsbad

Schönheit und Schrecken der Maskerade

Von Sabine Riker 19. November 2016 - 06:00 Uhr

 

Die meisten Menschen legen sich Masken zu, um ihr wahres Ich zu verbergen. Eine Ausstellung mit dem Titel „Maske & Alter Ego“ beleuchtet im Göppinger Psychiatriemuseum MuSeele verschiedene Aspekte des sich Verstellens.


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Masken in allen Spielarten sind zurzeit im MuSeele ausgestellt. Im Vordergrund ein venezianisches Exemplar.
Foto: Horst Rudel

 

Göppingen - Neben den imposanten afrikanischen Masken nehmen sich die venezianischen klein aus, trotz ihrer vogelschnabelähnlichen langen Nasen. Das Psychiatriemuseum MuSeele der Göppinger Klinik Christophsbad präsentiert zurzeit eine Ausstellung mit dem Titel „Maske & Alter Ego“. Anliegen der Schau ist es nicht, die Exponate völkerkundlich einzuordnen. Vielmehr richtet sich der Fokus, wie in diesem Kontext naheliegend, auf die Seele. „Ein Patient ist ein Maskierter“, sagt Rolf Brüggemann, der Leiter des MuSeele. „Unsere Aufgabe ist es, ihn zu seiner Wahrhaftigkeit zu führen, sodass er seine Masken nicht mehr braucht.“

 

Masken haben viele Funktionen. Man kann sich hinter ihnen verstecken und braucht dazu noch nicht einmal eine richtige Maske, sie können schützen, Bestandteil eines Rituals sein, aber auch Rollenspiele ermöglichen. Und sie können Angst machen. Alle diese Aspekte sind in der Ausstellung zu finden, die einsetzt mit einem einfachen Feigenblatt, der ältesten Maske überhaupt, wie Brüggemann feststellt. Adam und Eva hätten sich mit einem Feigenblatt bedeckt, als sie sich ihrer Nacktheit bewusst geworden seien.

 

Scham als psychiatrisches Thema

 

„Die Scham ist ein ganz wichtiges psychiatrisches Thema“, sagt Rolf Brüggemann, der lange auch als Psychologe am Christophsbad tätig war. Frühkindliche Erlebnisse der Beschämung wirkten oft ein ganzes Leben lang nach. In diesen Zusammenhang ordnet er ein Plakat mit dem Model Claudia Schiffer ein, allerdings unter umgekehrten Vorzeichen. Schiffers Augenpartie ist bedeckt von einer kleinen schwarzen Maske. Dieses Verstecken ihrer eigentlichen Identität ermöglicht es ihr, die Scham zu überwinden und sich lasziv vor der Kamera zu räkeln.

 

Auch einen kompletten Taucheranzug hat Brüggemann für die Ausstellung aufgetrieben. Ohne Inhalt wirkt er besonders verstörend. Er sei eine totale Maske, sagt Brüggemann, genauso wie andere Overalls oder auch die Burka. Angsteinflößend sei vor allem, dass die Person dahinter nicht mehr zu erkennen sei. „Es ist kein menschlicher Kontakt möglich, nicht einmal mit Blicken“, sagt er. Entsprechend würden Overalls auch beim Militär und bei der Polizei eingesetzt – und bei deren Gegenspielern. Auch Bankräuber maskierten sich, weil sie unerkannt bleiben wollten.

 

Auch Worte können maskieren

 

Maskeraden können aber auch lustvoll sein. Brüggemann zeigt auf sehr schön gearbeitete Figuren eines Kasperletheaters. Von der Prinzessin über den König, die Hexe und einen besonders scheußlichen Teufel findet sich hier das ganze Arsenal möglicher Verwandlungen. Diese frühe Theatererfahrung biete Kindern alle möglichen Identifikations- und Projektionsfiguren. „Sie können sich aussuchen, als was sie sich gerne erleben würden“, sagt Brüggemann. Durchweg positiv besetzt sind die afrikanischen Masken, so unheimlich sie auch wirken mögen. Bei Ritualen dienen sie ähnlich wie die Masken der alemannischen Fasnet dazu, böse Geister zu vertreiben.

 

Auch in Filmen spielen Masken oft eine Rolle. In einem kleinen Raum werden einige Beispiele gezeigt. Besonders raffiniert ist eine Maskerade in Milos Formans „Einer flog über das Kuckucksnest“. Sie erfolgt allein über Worte.

 

NWZ - Beitrag vom 12.11.2016

Auszug aus der NWZ vom 12.11.2016 von der Vernissage zur neuen Sonderausstellung "Maske & ALTER EGO"

Impression von der Vernissage am 10.11.2016

NWZ, Beitrag vom 27.02.2017

Ausstellung im Klinikum Christophsbad Göppingen

 

Mit der Maske zum anderen Ich

 

Das Psychiatriemuseum MuSeele im Göppingen Christophsbad beleuchtet in seiner aktuellen Ausstellung die Maske aus einem therapeutischen Blickwinkel - Foto: Carluci

 

Von Evelin Krix 27.02.2017

Als Versteck, Schutz, zum Verängstigen, aus sich herauskommen oder um in andere Rollen zu schlüpfen: Masken werden aus vielen Gründen getragen. Das Psychiatriemuseum „MuSeele“ im Göppinger Christophsbad beleuchtet in seiner aktuellen Ausstellung „Maske und das Alter Ego“ die Maske nicht aus einem schmückenden, sondern einem therapeutischen Blickwinkel.

Thematisiert werden neben den Bedürfnissen der Psyche auch die Verknüpfungen zwischen Maske und Emotionen. Der Besucher startet seine Besichtigung in einem kleinen Raum mit Ausschnitten aus Filmen wie „Faust“, „Das Bildnis des Dorian Grey“ oder „V wie Vendetta“. Danach geht es mit verschiedenen Arten der Maskierungen in Form von Exponaten, Plakaten und Büchern weiter.

„Während dem Aufbau haben wir so viel gelernt: Welche Bezüge zu unserer Arbeit hier im Haus entstehen, aber auch kultur- und kunstgeschichtlich“, erzählt Museumsleiter Rolf Brüggemann. „Wir merken, wie wichtig die Maske und Demaskierung für unsere Selbstfindung ist. Der Mensch, der zu uns kommt, der zweifelt an sich selbst.“ Die Patienten hätten verlernt zu lachen oder sogar zu weinen. Andere verstellen sich oder bauen sich ein „Pokerface“ auf, weil sie den Erwartungen der Gesellschaft gerecht werden möchten. Dadurch baue sich laut Brüggemann oftmals ein Druck in der Seele auf: „Das passiert bei vielen unseren Patienten, dass die Authentizität nicht gegeben ist. Bei Schwererkrankten erstarrt die Mimik und die brauchen wir aber zur Kommunikation mit Sichtkontakt.“ Deshalb arbeite man im Christophsbad nicht nur mit Theatertherapie, sondern tatsächlich auch mit Masken: „Das kann im Theater oder im Rollenspiel eine Möglichkeit sein, den Weg zum eigenen Ich zu finden.“

Eine wichtige Maske in der Therapie sei auch die Clownsnase. „Es ist wichtig, dass wir von dem Ernsten, Seriösen wegkommen. Wir müssen uns bewusst machen, dass Lachen in der Klinik unbedingt möglich sein muss“, betont Brüggemann. Allein durch die kleine Veränderung des Aussehens mit der knallroten, runden Nase könne der Clown die Situation auflockern und Humor in die Ernsthaftigkeit der Behandlung bringen.

„Jede anormale Veränderung der Gesichtsmimik macht Angst, weil mein Gegenüber nicht mehr in seiner emotionalen Individualität erkennbar ist“, meint Brüggemann.  Man müsse den Menschenaufzeigen, dass die Verdeckung des Gesichts aus lustigen Gründen passiert. Das sei an Fasnacht aufgrund Totalmaskierung mit dem Narrenhäs öfter der Fall, weswegen auch ein Kostüm der „Ranzigen Füchs“ aus Wäschenbeuren ausgestellt ist. „An Fasnet ist das gesellschaftlich erlaubt“, meint Brüggemann. „Die Narren haben extra Bonbons dabei, um sich wieder beliebt zu machen.“

Herzstück der Ausstellung sind westafrikanische Masken aus privater Sammlung. Ähnlich wie bei der Fasnacht sollen mit schreckenerregenden Fratzen, Tanz, Musik und Krach böse Geister vertrieben werden. Tiere seien ein häufiges Motiv. Ähnlich wie beim Häs der „Ranzigen Füchs‘“ finden sich auch an einer westafrikanischen Tanzmaske aus dem 20. Jahrhundert Schellen wieder. „Stilistisch kann man die Masken unterscheiden, aber der kulturelle Gebrauch ist der Gleiche“, sagt Brüggemann. Aus seinem Peru-Urlaub hat der Museumsleiter einen sogenannten „Retablo“ – einen kleinen, aufklappbaren Altar – mitgebracht, der in der Ausstellung ebenfalls seinen Platz hat. „Peru, die Elfenbeinküste und hier: Diese drei ganz verschiedenen Orte gehen ähnlich mit der gleichen Thematik um und irgendwann lassen wir die Maske fallen. Das gehört zu dem Spiel dazu.“

  • Ausstellung drei Monate verlängert

Dauer: Ursprünglich sollte die Sonderausstellung „Maske und Alter Ego“ am 1. März zu Ende sein, wurde jetzt aber um drei Monate verlängert.

Ort: Das Psychiatriemuseum MuSeele sowie die Ausstellung findet man im Dachgeschoss im alten Badhaus des Göppinger Christophsbads.

Öffnungszeiten: Mittwoch 16 bis 18 Uhr, Sonntag 14 bis 16 Uhr. Der Eintritt beträgt zwei Euro pro Person. Führungen können auch außerhalb der Öffnungszeiten vereinbart werden. Sie kosten zusätzlich 30 Euro.

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