In aller Kürze

Der Ikarus vom Lautertal

Am Freitag, dem 20.10.2017 eröffnete Wolfram Voigtländer im Atelier Kirchner in Berlin die Ausstellung "Eine Begegnung mit Gustav Mesmer" in Schwarzweiß-Fotografien von Nicole Becker (geboren 1967 in Hamburg).

Weiterlesen …

Südwestpresse - 20.10.2010

Wahrheit und Mythos
Psychiatriemuseen wollen zum Abbau von Ängsten beitragen

Psychiatriemuseen im Land wollen mit Ausstellungen zum Abbau von Ängsten beitragen. Interaktive Exponate ziehen Besucher an, Krankheitsbilder sollen an konkreten Beispielen erlebbar gemacht werden. Gabriel Dominquez, dapd

Göppingen/Zwiefalten (dapd-bwb). Zwangsjacken, Gitterbetten, Isolation und Wahnsinn: Die Klischees zum Thema Psychiatrie schrecken bis heute viele Menschen ab. Psychiatriemuseen landesweit versuchen nun Wahrheit und Mythos voneinander zu trennen und somit Ängste und Vorurteile gegenüber seelischen Erkrankungen abzubauen. Derzeit befinden sich insgesamt fünf solcher Museen in Baden-Württemberg. Damit verzeichnet das Land zusammen mit Hessen das größte Angebot an psychiatrischen Ausstellungen bundesweit. Aber anders als viele andere Museen dieser Art in Europa verfügen die Psychiatrie-Ausstellungen oft nur über ehrenamtliches Personal und sind deshalb auf die Unterstützung von Kliniken oder Vereinen angewiesen.

Eins dieser Museen ist das in der Göppinger Psychiatrieklinik Christophsbad angesiedelte MuSeele. Das 2004 eröffnete "Museum der Seele" zeigt auf einer Fläche von rund 400 Quadratmetern mehrere Hundert Exponate zur Geschichte der Psychiatrie. Betrieben wird es von engagierten Klinikmitarbeitern sowie einem gemeinnützigen Verein mit 70 Mitgliedern. Besonders gelegen ist Museumsleiter Rolf Brüggemann an der Interaktivität der Ausstellung. "Wir laden die Besucher ein, aktiv teilzunehmen und selbst viele der Exponate auszuprobieren", sagt der 60-jährige Diplompsychologe. Das Museum ist so konzipiert, dass die Besucher aufgefordert werden, selbst in die Rolle des Diagnostikers, Therapeuten oder Patienten zu schlüpfen. "Unser Anliegen ist es, möglichst viele Aspekte kritisch der Öffentlichkeit näher zu bringen". Dazu sollen Krankheitsbilder an konkreten Beispielen erlebbar gemacht werden.

Hierzu gehören unter anderem Bilder von bekannten Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Gesichtsausdrücken. Dabei sollen die Besucher zu jedem Gesichtsausdruck eine Diagnose erstellen. Ob sie damit richtig oder falsch liegen, erfahren sie später. In der Ausstellung befindet sich ebenfalls ein vermülltes Zimmer, in dem bedrohliche Stimmen aus den Wänden zu hören sind. Die Besucher sollen sich hier in die Welt eines verwahrlosten Menschen hineinversetzen können, der an Halluzinationen leidet.

Zu den weiteren Exponaten gehören neben einer Zwangsjacke und einem Klinikbett mit Fesselgurten zahlreiche Utensilien und Geräte, die zur Behandlung von diversen Erkrankungen eingesetzt wurden. Aber auch Gegenstände von ehemaligen Patienten der Christophbad-Klinik werden gezeigt. Dazu zählen ein Teddybär mit offenem Bauch und Rasierklingen. Das Stofftier erzählt die Geschichte eines missbrauchten Mädchens, das sich in der Klinik immer wieder mit Rasierklingen verletzt hat, von denen man nicht wusste, woher die Patientin sie hatte. "Erst viel später, als wir einen Zugang zu dem Mädchen hatten, haben wir herausgefunden, dass sie die Rasierklingen im Stofftier versteckt hatte", erklärt Brüggemann, der den Fall betreute.

Doch auch andere Museen im Land beschäftigen sich mit der Geschichte dieses Faches. Dazu gehört beispielsweise das 2003 gegründete "Württembergische Psychiatriemuseum" in Zwiefalten (Landkreis Reutlingen). In einer kleinen Kapelle auf dem Friedhof des dortigen Psychiatriezentrums werden auf 200 Quadratmetern Themen wie die Psychiatrie im Nationalsozialismus, Anstaltsordnungen oder die kranke Psyche dargestellt. Auch das im Zentrum für Psychiatrie Emmendingen angesiedelte Psychiatrie-Museum ermöglicht einen Einblick in die Vergangenheit. Schwerpunkte der dortigen Ausstellung sind nach den Worten von Museumsleiter Gabriel Richter die Geschichte des Krankenhauses und die Folgen der Euthanasie-Gesetzgebung zur Zeit des Nationalsozialismus. Damals wurden allein in Emmendingen mehr als 1.100 Patienten getötet.

Zur Erhaltung dieser und anderer Psychiatriemuseen sprechen sich Brüggemann und Richter für eine finanzielle Förderung durch die Stadt oder das Land aus. Dann könne man den Betrieb der kulturellen Einrichtungen professionalisieren und mehr Mittel für Werbezwecke aufwenden, sagt Brüggemann. Zwar sei die Existenz der Psychiatriemuseen noch nicht gefährdet, aber "man könnte noch viel mehr tun."

NWZ - 26.07.2010

Zwischen Heilsglaube und Heilungswissen.
Sonderausstellung zu Portugal im "MuSeele"

Göppingen.  Im Rahmen der Sonderausstellung zu den europäischen Psychiatriemuseen richtet das Göppinger "MuSeele" den Fokus nun auf Portugal.

Bei der Darstellung der portugiesischen Psychiatrie werden zum einen die Bemühungen der Kirche und der Religion und zum anderen die Psychochirurgie anschaulich demonstriert. Die Psychiatrie in Telhal bei Lissabon sowie das dortige Psychiatriemuseum, das erst 2009 eröffnete, belegen diese historische Entwicklung. So ist der in Portugal, Spanien, Asien, Afrika und Lateinamerika tätige Orden "Sao Joao de Deus" Träger vieler Psychiatrien und Krankenhäuser - die christliche Caritas motiviert hier zum Einsatz für die Kranken.

In der Psychiatrie in Telhal wirkte der Arzt Dr. Egas Moniz, der 1949 für seine Erkenntnisse zur Angiografie des Gehirns und zur Psychochirurgie den Nobelpreis erhielt. Die beiden kontroversen Aspekte im Spannungsfeld von katholischem Heilsglauben und medizinischem Heilungswissen werden durch den Leiter des "MuSeele", Diplompsychologen Rolf Brüggemann, vorgestellt. Zu neurologischen Fragen wird Professor Friedrich Schumm, ehemaliger Direktor des Christophsbades, Stellung nehmen.

Die Ausstellung unter dem allgemeinen Titel "Connecting the European Mind", zu Deutsch etwa "Vernetzung der Europäischen Seele", wird mit Mitteln des Europäischen Kulturfonds gefördert.

Eröffnung der Ausstellung im Psychiatriemuseum "MuSeele" ist am Mittwoch ab 16 Uhr.

Bleib gesund. Magazin der AOK Baden-Württemberg, Heft 6/2010

Die Welt der Therapie

Veranstaltungstipp. Erlesene Düfte, exotischer Tee und orientalische Klänge: Im Rahmen einer Sonderausstellung stellt das MuSeele in Göppingen Psychiatrieeinrichtungen aus ganz Europa vor.

Den Auftakt machte die türkische Psychiatrie. Bei einer Tasse Tee konnten Besucher, umgeben von Düften und Klängen, einen Film über das türkische Psychiatriezentrum in Edirne anschauen. Die Wurzeln der Therapie mit Musiklängen dort, erklärte Psychologe Rolf Brüggemann. Zusammen mit seiner Kollegin Gisela Schmid-Krebs besuchte Brüggemann über 60 Psychiatrie-Museen in ganz Europa. Jedes übte auf ihn eine eigene Faszination aus: „Alle haben einen anderen Fokus und sind in die jeweilige Kultur des Landes eingebettet.“ Aus diesen vielen Besuchen ist auch ein Buch mit dem Titel „Verortung der Seele – Locating the Soul“ entstanden, in welchem die unterschiedlichen Einrichtungen vorgestellt werden.

Die Sonderausstellung im MuSeele im Göppinger Christophsbad widmet sich der Vielseitigkeit psychologischer Behandlung. In Zusammenarbeit mit Psychiatriemuseen aus ganz Europa sollen verschiedene dieser Einrichtungen in einer ständig zu erweiternden Sonderausstellung vorgestellt werden. Ziel ist, den Besuchern einen Überblick über die Psychiatrie in Europa in historischer und aktueller Hinsicht zu verschaffen.

Im Juli wurde bereits der zweite Teil der Sonderausstellung eröffnet: Er widmet sich dem portugiesischen Psychiatriemuseum in Lissabon. Hier stand vor allem die Religion im Mittelpunkt, denn dort wurden die Häuser in der Regel von Orden geführt. Im Weiteren plant das MuSeele die Präsentation weiterer Psychiatriemuseen in Europa.

Anja Schmid

Stuttgarter Zeitung - 28.06.2010

Von der Wiege der Musiktherapie in Edirne

Göppingen. In einer Sonderausstellung will das MuSeele verschiedene Psychiatriemuseen in Europa vorstellen. Von Sabine Riker

Musik, Wassergeplätscherund schöne Düfte können für die Seele heilsam sein. Das hat die moderne Psychiatrie vor noch gar nicht allzu langer Zeit entdeckt. In Edirne im europäischen Teil der Türkei sind diese Behandlungsmethoden dagegen schon vor mehr als 500 Jahren angewandt geworden. Im mitteleuropäischen Raum galten psychisch Kranke zu dieser Zeit noch als wahnsinnige oder Besessene, mit denen man lieber nichts zu schaffen haben wollte. "Die modernen Psychiatrien müssen sich heute noch am Konzept von Edirne messen lassen", sagt Rolf Brüggemann, der Leiter des Göppinger Psychiatriemuseums Museele. Zusammen mti Gisela Schmid-Krebs hat er vor ein paar Jahren alle Psychiatriemuseen in Europa bereist und in einem Buch vorgestellt. Nun soll im Museele in einer ständig zu erweiternden Sonderausstellung ein facettenreiches Bild der Psychiatriemuseen in Europa gezeigt werden. Den Auftakt macht Edirne. Das dortige Psychiatriemuseum wurde im Jahr 2004 mit dem europäischen Museumspreis ausgezeichnet.

Die Ausstellung, die zunächst auf nur geringem Raum komprimiert ist, weil sie sich ja noch vergrößern wird, vermittelt einen sinnlichen Eindruck von der Atmosphäre, die wohl in der Psychiatrie in Edirne geherrscht hat. Den Besuchern wird türkischer Tee gereicht, es duftet nach Ambra, und über Kopfhörer erklingt türkische Musik. Ein kurzer Film informiert in deutscher, türkischer oder auch englischer Sprache über das Psychiatriemuseum und die Anfänge der Seelenheilkunde in Edrine, der zweiten Hauptstadt des Osmanischen Reichs, die 200 Kilometer westlich von Istanbul an der Grenze zu Griechenland und Bulgarien liegt. Die Bilder in dem Film zeigen Gebäude wie aus 1001 Nacht. Es wurde zusammen mit einer Moschee von Sultan Bayezid II. begründet und im Jahr 1488 eröffnet. Eine Psychiatrie gibt es in dem langgezogenen Trakt schon lange nicht mehr. Stattdessen erinnert nun ein Museum in diesen Räumen an eine Epoche der türkischen Psychiatrie, die verblüffend modern anmutet.

Die Kranken lebten in einer angenehmen Umgebung. Im Zentrum der Klinik befand sich unter einer großen Kuppel ein lichtdurchfluteter Raum mit einem Brunnen und einer Bühne für ein zehnköpfiges Orchester und zehn Sänger. Je nach Krankheitsbild spielten die Musiker bestimmte türkische Tonfolgen, die das Leiden mildern sollten. Der Irak-Tonfolge wurde nachgesagt, dass sie die Nerven beruhige. Die Isfahan-Tonfolge sollte Erinnerungen wecken. "Heute bemühen sie sich, die Musik von damals wieder nachzuspielen", erklärt Rolf Brüggemann. Auch eine Beschäftigungstherapie gabe es in Edirne schon. Die Kranken machten Handarbeiten.

Doch diese kultivierte Form der Psychiatrie sollte keinen Bestand haben. Nach dem Zerfall des Osmanenreichs im Jahr 1870 hielten in Edirne rüde Behandlungsmethoden Einzug. Die Kranken wurden gefesselt und isoliert. Nach dem Russisch-Türkischen Krieg schließlich wurde das Krankenhaus nach Istanbul verlegt.

Schon in zwei Monaten soll ein weiteres Kapitel europäischer Psychiatriegeschiche im Museele aufgeschlagen werden: Dann geht es um Portugal. Ermöglich hat diesese Ausstellung die Zusammenarbeit mit verschiedenen europäischen Psychiatriemuseen. Die Kontakte sind während der Recherchen zu dem Buch über europäische Psychiatriemuseen enstanden. Unterstützt wird es vom Kulturfonds der Europäischen Union im Rahmen des Projekts "Connecting the European Mind".

Die Ausstellung ist mittwochs von 16 bis 18 Uhr und sonntags von 14 bis 16 Uhr zu sehen.

Pressemitteilung - 12.04.2010

Zehntausendster Besucher im MuSeele

Gestern konnte im MuSeele, dem Psychiatriemuseum im Christophsbad in Göppingen der zehntausendste Besucher feierlich begrüßt werden. Die Göppingerin Ingrid Kieschke wollte schon seit längerem wissen, was sich unter dem MuSeele, einem Museum der Seele also, verstehen lässt. Freudig überrascht nahm sie den Blumenstrauß und das Buch „Verortungen der Seele“ als Geschenk von Seiten der zweiten Vorsitzenden des MuSeele e.V. Gisela Schmid-Krebs entgegen. Während des Besuches konnte sie dann die vielfältigen Aspekte der Seelenkunde und der Seelenheilkunde, wie Psychiatrie auf deutsch heißt, kennenlernen. Ihr Resumee: „Ich muss noch ein paar mal kommen, bis ich alles gesehen und erst recht verstanden habe, dieses Museum ist sehr lehrhaft und spannend, ich gehe hier trotz aller oft sehr ernsten Themen mit einem guten Gefühl heraus.“

Das MuSeele, erklärt Gisela Schmid Krebs, besteht seit 2004 und ist zwischenzeitlich weit über die Grenzen der Region bekannt. Viele Besucher kommen aus einem speziellen fachlichen Interesse extra nach Göppingen gefahren, um sich hier über die Psychiatrie in einer Führung unterrichten zu lassen. Das MuSeele arbeitet mit vielen anderen Psychiatriemuseen zusammen und bereitet zurzeit eine Ausstellung zur Psychiatrie in Europa vor, die von der EU finanziell gefördert wird. Das MuSeele wird getragen von den circa 70 Mitgliedern, die den gemeinnützigen Verein MuSeele e.V. darstellen. Gelder des Christophsbads, der Heinrich Landerer Stiftung, Förderung durch die Aktion Mensch und viele private Spender ermöglichen die mediengerechte und pädagogisch konzipierte Museumsarbeit. Nur so kann das eminent wichtige Thema der kranken wie auch der gesunden Seele einer interessierten Öffentlichkeit nahe gebracht werden.