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Der Ikarus vom Lautertal

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NWZ - 05.05.2009

Den Struwwelpeter im Blick
MuSeele zeigt Ausstellung zum Thema Kinder- und Jugendpsychiatrie

Psychische Probleme im Kindes- und Jugendalter - nach wie vor ein sensibles Thema mit dem längst nicht alle Betroffenen an die Öffentlichkeit gehen.

Das MuSeele im Christophsbad tut jetzt genau das. Von KATJA EISENHARDT

Göppingen: Noch nie zuvor sei das Thema Kinder- und Jugendpsychiatrie museal in die Öffentlichkeit gerückt, erfährt man von Rolf Brüggemann, Diplom-Psychologe in der Tagesklinik der Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie im Christophsbad. Das soll sich nun ändern. In diesem Jahr wäre der Frankfurter Psychiater und Autor des "Struwwelpeter", Heinrich Hoffmann, 200 Jahre alt geworden. Anlass für das MuSeele im Christophsbad, zusammen mit fünf weiteren Organisationen eine Sonderausstellung mit Exponaten zum Thema Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie weitere Rahmenveranstaltungen auf die Beine zu stellen.

Die Geschichte des störrischen Zappelphilipps wurde im Jahr 1848 in der noch heute gültigen Fassung veröffentlicht. "Das Zappelphilipp-Syndrom" ist heute unter dem Namen ADHS (Aufmerksamkeits-Hyperaktivitäts-Defizitstörung oder auch Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom) geläufig. "Bei der Behandlung dieser Aufmerksamkeitsstörung ist immer der familiäre Kontext ein wichtiger Aspekt", betont Brüggemann. Dieses Thema rücke heutzutage deutlich in den Vordergrund, weiß der Psychologe zu berichten.

Insgesamt acht Bereiche - darunter die sehr sensiblen Themen sexueller Missbrauch, Selbstverletzung oder auch Amok - werden in der Sonderausstellung, die am Samstag, 9. Mai öffnet, unter anderem in Themenboxen eindrucksvoll dargestellt. "Diese Kisten sprechen zentrale Probleme an. Deren Inhalt soll die Besucher zu Gesprächsrunden anregen", formuliert Brüggemann die Zielsetzung. Eine interaktive Ausstellung für Betroffene, Eltern, Pädagogen, Therapeuten und weitere Interessierte soll es werden. "Wir wollen die Thematik für ein möglichst breites Publikum verständlich machen", erklärt Brüggemann. Vor rund einem Jahr begann die Planung für das umfangreiche Projekt, dass das Team des MuSeele zusammen mit der START-Klinik im Christophsbad, dem Struwwelpeter-Museum in Frankfurt, der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Tübingen, der SOS-Kinder- und Jugendhilfe Göppingen sowie dem Kinderschutz-Zentrum Göppingen ins Leben rief. "Der Gesamteindruck ist überwältigend", freut sich Brüggemann. "Der normale Raum des MuSeele hat für die Ausstellung nicht gereicht, wir mussten auf insgesamt 150 Quadratmeter erweitern." Gefördert wird das Gemeinschaftsprojekt von der Aktion Mensch.

Neben der Ausstellung, die mit einer Fachtagung am Samstag beginnt, zählen auch eine Lesung und eine Filmvorstellung zum Programm. Zusätzlich zum Thema Kinder- und Jugendpsychiatrie läuft seit dem 22. April eine unabhängige Ausstellung, die Kunstwerke von Kindern im Vorschulalter zeigt. Hierbei stehe nicht der psychisch-pathologische Aspekt im Vordergrund, sondern schlicht die Kreativität der Kinder, betont Brüggemann. Diese Ausstellung ist noch bis 21. Juni in der Galerie Cafeteria des Christophsbads zu sehen.

NWZ und Geislinger Zeitung - 18.04.2009

Exponate geben Geschichten preis
Skulptur im MuSeele des Göppinger Christophsbads beschließt Serie

Viele Exponate haben ihre eigene Geschichte. Diese Serie hat besondere Museumsstücke vorgestellt. Den Schlusspunkt setzt das Museele des Christophsbads in Göppingen mit der Skulptur eines Patienten. IRIS RUOSS

Göppingen: Irgendwie beklemmend ist er schon, der Gang mit dem Vereinsvorsitzenden Dr. Rolf Brüggemann durch das Göppinger MuSeele, das die Geschichte der Psychiatrie sowie Psychiatriegeschichten zeigt. Gleich an der Eingangstür baumelt eine Zwangsjacke. Ein Krankenbett steht im Raum, es wird ein 50 Jahre alter Apparat zur Messung der Hirnströme gezeigt, gegenüber steht ein rotes Sofa, Bilder von Psychiatriepatienten hängen an der Wand. Bei der Frage nach dem ganz besonderen Exponat denkt Brüggemann nach. "Da haben wir viele", sagt er. Dann steuert er zielstrebig einen großen Schaukasten mit Schubladen an. "Unsere Kunstecke", erklärt der Arzt. Dann nimmt er sie vom Schaukasten, die kleine Skulptur aus Ton. "Das Werk eines Patienten", erklärt Brüggemann. Aus einem Klumpen Ton hat der Kranke einen Menschen geformt, der in gebückter Haltung sitzt und die Arme wie schützend um seinen Körper geschlungen hat.

Nicht filigran, sondern grob gestaltet, mit einer grünen Lasur überzogen ist die menschliche Figur. "Diese Figur hat den Zugang zum Patienten eröffnet, ein Gespräch erst ermöglicht", erklärt Brüggemann. Der Patient ist längst entlassen, sein Kunstwerk hat Brüggemann aus einer Kiste gefischt, die entsorgt werden sollte. "Die Figur zeigt, dass hier nicht nur mit Gesprächen gearbeitet wird, sondern auch mit ganz anderen Therapieansätzen", erklärt der Mediziner. Kunst- und Gestalttherapie nennt er als viel versprechende Ansätze, um mit den Patienten in Kontakt zu kommen. Während des Gesprächs streicht Brüggemann mehrere Male über die Tonskulptur, fährt mit den Fingern an den Rundungen des Tonkörpers entlang, sinniert über die Psychiatrie gestern und heute. Dann stellt er das Ausstellungsstück zurück auf sein Podest, öffnet die Schubladen des Schrankes und zeigt mit kräftigen Farben gemalte Bilder - alles Werke von Patienten. Brüggemann öffnet den Deckel einer Holzkiste, die an einen Karteikasten erinnert. Ein Teddybär mit offenem Bauch kommt zum Vorschein. Im Bauch des Spielzeugbären stecken Rasierklingen. "Auch der Teddy erzählt eine Geschichte", erklärt Brüggemann.

Das Stofftier erzählt die Geschichte eines jungen Mädchens, das sich in der Klinik immer wieder mit Rasierklingen verletzt hat, von denen man nicht wusste, wo die Patienten sie herbekommen hat. "Erst viel später, als wir einen Zugang zu dem Mädchen hatten, haben wir herausgefunden, dass sie die Rasierklingen im Stofftier versteckt hatte", erklärt Brüggemann. Das Mädchen wurde jahrelang vom eigenen Vater missbraucht. Auch der Inhalt eines weiteren Kastens gibt eine Geschichte preis. Unmengen von Schlüsseln liegen darin. Sie sind Sinnbild für die Liebesgeschichte zwischen einer Krankenschwester und einer Patientin. Nicht unbedingt die alten Exponate sind es, die Psychiatrie und Psychiatriegeschichte verkörpern. Brüggemann: "Oft sind es kleine, unscheinbare Sachen, wie diese Skulptur, die Bände sprechen."

NWZ - 12.03.2009

Göppingen. Ziel des Vereins "MuSeele" in Göppingen ist es, Fehlurteile und Ängste gegenüber dem Thema "Psychiatrie" abzubauen. Jetzt startet der Verein - in Kooperationmit der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Uniklinik Tübingen, der Start-Klinik im Christophsbad, der SOS-Kinder- und Jugendhilfe sowie dem Struwwelpeter-Museum in Frankfurt - das Projekt "Struwwelpeter und andere irre Kinder". Die Ausstellung "Kinder und Jugendliche zeigen ihre Sicht der Welt" richtet sich vor allem an Betroffene, die aufgrund ihrer Eigenheiten und ihres Verhaltens Probleme in der Gesellschaft haben. Die "Aktion Mensch" beteiligt sich mit 17556 Euro an dem Projekt.

Flyer als PDF zur Veranstaltung - Download [1.5 MB]