In aller Kürze

Der Ikarus vom Lautertal

Am Freitag, dem 20.10.2017 eröffnete Wolfram Voigtländer im Atelier Kirchner in Berlin die Ausstellung "Eine Begegnung mit Gustav Mesmer" in Schwarzweiß-Fotografien von Nicole Becker (geboren 1967 in Hamburg).

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NWZ und Geislinger Zeitung - 4.11.2008

"Verortungen der Seele" vorgestellt

Gisela Schmid-Krebs und Rolf Brüggemann haben sich auf die Spuren von Psychiatriemuseen in Europa gemacht. Ihre Recherchen und Erfahrungen haben sie jetzt in einem ganz besonderen Reiseführer veröffentlicht. Ihr Buch "Verortungen der Seele" stellen sie am kommenden Donnerstag ab 20 Uhr in der Göppinger Buchhandlung Herwig vor. Die Kunsttherapeutin und der Psychotherapeut und Leiter des Göppinger Psychiatriemuseums "MuSeele" beleuchten darin über hundert europäische Ausstellungen, Gedenkstätten und verwandte Einrichtungen und liefern ein Panorama der vielfältigen Möglichkeiten, die Psyche und ihre (Irr-)Wege anschaulich zu machen. Die Einnahmen gehen als Spende ans "MuSeele" im Christophsbad.

NWZ - 10.10.2008

Museum der Psychiatrie ausgezeichnet

Das Museum für Geschichte der Psychiatrie und Psychiatriegeschichten "MuSeele" im Christophsbad Göppingen hat den ersten Preis der Aktion "Tu was" der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie erhalten. Der Preis wird dem Museele für die internationale Vernetzung von Psychiatriemuseen und Euthanasie-Gedenkstätten verliehen. "Der Preis bedeutet eine fachliche Anerkennung über Göppingen hinaus", sagt Rolf Brüggemann, Leiter des "MuSeele" und Psychologe im Christophsbad. Zusammen mit der Kunsttherapeutin Gisela Schmid-Krebs schrieb er einen Reiseführer, für die Landschaft der Psychiatrischen Museen. Brüggemann hat erreicht, dass die europäischen Gedenkstätten und Museen miteinander in Verbindung stehen.

Mitteilung in eigener Sache - 10.10.2008

TUWAS Preis der DGSP

Der MuSeele e. V. wurde am 3.10.2008 in Leipzig mit dem TUWAS Preis 2008 [718 KB] der Deutschen Gesellschaft für soziale Psychiatrie e. V. ausgezeichnet. Der Verein MuSeele e. V. erhielt die Auszeichnung für das Projekt: Internationale Vernetzung von Psychiatriemuseen und Euthanasie-Gedenkstätten.

NWZ und Geislinger Zeitung - 02.02.2008

Fotografie von Jakob van Hoddis gefunden

Vermutlich letztes Bild des Dichters - Gruppenfoto aus dem Christophsbad befand sich im Nachlass des Pflegers Hermann Müller. Ein Gruppenfoto mit dem Dichter Jakob van Hoddis ist jetzt dem Göppinger Psychiatriemuseum MuSeele übergeben worden. Das Bild könnte die letzte Aufnahme des bedeutenden expressionistischen Schriftstellers vor seinem Tod sein.
MAZ / EB

Mit zwei Vierzeilern schrieb er Literaturgeschichte: Das Gedicht "Weltende" wurde zum Fanal des Expressionismus. Doch Jakob van Hoddis konnte den Ruhm nur kurz genießen. Er wurde krank. Sechs Jahre dämmerte der Berliner im Christophsbad dahin, am Ende wurde er vermutlich von den Nazis ermordet. Jetzt ist ein Foto aufgetaucht, welches das letzte Bild des 1942 umgekommenen Dichters darstellen könnte. Das Gruppenfoto, das Patienten des Christophsbades zeigt, befand sich im Nachlass von Hermann Müller und wurde nun von dessen Enkelin dem Psychiatriemuseum MuSeele übergeben. Hermann Müller (1904-1998) war im Christophsbad von 1926 bis 1974, also 48 Jahre lang als Pfleger tätig. Von ihm stammt das Foto, welches sieben Patienten zeigt. Der zweite von links, lächelnd und mit Pfeife in der Hand, ist unzweifelhaft Jacob van Hoddis.

Die Kleidung der Patienten mit Anzug und Krawatte lässt vermuten, dass es sich um besser gestellte Patienten handelt. Der Ort der Aufnahme befindet sich auf einer der Abendsonne zugewandten Terrasse neben der Station im heutigen Gebäudetrakt 11 über dem so genannten Herrensaal. Zeitpunkt der Aufnahme wird etwa das Jahr 1930 sein. Während seines sechsjährigen Aufenthaltes im Göppinger Christophsbad von 1927 bis 1933 war Jacob von Hoddis nicht mehr literarisch produktiv, er wanderte viel durch den Park der Klinik und schien den Anforderungen der Gesellschaft nicht gewachsen. Als seine Mutter nach Palästina auswanderte, wurde er 1933 in die israelitische Klinik nach Sayn bei Koblenz verlegt. Im Jahr 1942 wurde van Hoddis zusammen mit den anderen Patienten und Angestellten der Klinik von den Nationalsozialisten nach Polen abtransportiert und wahrscheinlich in Sobibor umgebracht.

Stuttgarter Zeitung - 30.01. 2008

Foto von van Hoddis aufgetaucht - Weltende Dichter war im Christohsbad

Er ist einer der bedeutendsten Schriftsteller des Expressionismus gewesen. Doch das haben die Ärzte im Christophsbad nicht geahnt, als sie ihn im Juli 1927 aufnahmen. Jetzt ist überraschend ein Foto von Jakob van Hoddis aus seiner Göppinger Zeit aufgetaucht. Von Sabine Riker

In der einen Hand die Pfeife, die andere lässig in der Hosentasche seines Anzugs vergraben, schmunzelnd - so zeigt das Gruppenbild den Dichter. Rolf Brüggemann, der Leiter des Psychiatriemuseums MuSeele im Christophsbad, hat die Schwarz-Weiß-Aufnahme aus dem Nachlass des früheren Pflegers Hermann Müller vor wenigen Tagen bekommen und kann sein Glück kaum fassen. ¸¸Es handelt sich wahrscheinlich um das letzte Foto des Dichters", vermutet er. In der nächsten ¸¸Seelenpresse", einer Zeitschrift für Psychiatrie, die Patienten und Angestellte des psychiatrischen Krankenhauses herausgeben, soll das Bild veröffentlicht werden. Und es soll, natürlich, einen Ehrenplatz in der Van-Hoddis-Vitrine des Museeles erhalten. Als Jakob van Hoddis im Jahr 1911 mit seinem Gedicht ¸¸Weltende" die literarische Bewegung des Expressionismus entfesselte, schien sein Stern erst aufzugehen. Doch schon ein Jahr später begann die Schaffenskraft des Dichters zu verlöschen.

Van Hoddis wurde psychisch krank. Im Sommer 1927 kam er in das Göppinger Christophsbad, wo er sechs Jahre lang blieb. Die Diagnose: schizophrener Endzustand. Die Krankenakte des Hans Davidsohn, so van Hoddis" bürgerlicher Name, existiert heute noch. Obwohl in dem Krankenblatt als Beruf Schriftsteller aufgeführt ist, war den Ärzten seine Bedeutung offenbar nicht bekannt. Van Hoddis war ein Patient wie alle anderen. Er galt als still und unauffällig. Seine Mitpatienten machten sich über ihn lustig, weil er sich ständig devot verneigte, auch vor Tieren. Nur eine einzige Eintragung lässt darauf schließen, dass in ihm noch immer das Interesse für das Schreiben und die Literatur schlummerte. "Beschäftigt sich manchmal mit Lektüre und Abfassung von Gedichten", notierte ein Arzt im September 1927. Abgesehen von dem Krankenblatt ist von den sechs Jahren, die van Hoddis in Göppingen verbrachte, nicht viel bekannt. Umso mehr freut es Brüggemann, dass das Foto einige Rückschlüsse zulässt. So lebte der Dichter, der am 16. Mai 1887 in Berlin geboren wurde, offenbar auf einer Station im heutigen Gebäudetrakt 11 über dem sogenannten Herrensaal. Aufgrund der guten Kleidung nimmt Rolf Brüggemann an, dass es sich bei den Personen auf dem Bild um bessergestellte Patienten handelte.

Die Schaffenskraft des Dichters ist nicht mehr erwacht. Als seine Mutter 1933 nach Palästina auswanderte, wurde van Hoddis in die israelitische Klinik nach Sayn bei Koblenz verlegt. Im Jahr 1942 wurde er von den Nationalsozialisten nach Polen gebracht und vermutlich in Sobibor ermordet.

Weltende

Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut,
In allen Lüften hallt es wie Geschrei.
Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei
Und an den Küsten - liest man - steigt die Flut.
Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen
An Land, um dicke Dämme zu zerdrücken.
Die meisten Menschen haben einen Schnupfen.
Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.

Jakob van Hoddis, 1911